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Adolphe Kegresse
Adolphe Kégresse
Die Autochenilles Citroën, jene legendären Halbkettenfahrzeuge, welche in den 20er
Jahren des letzten Jahrhunderts von Citroën gefertigt wurden und großartige Erfolge bei
der Durchquerung der Sahara, bei der Croisière Noire und bei der Croisière Jaune gefeiert
haben, wären ohne den hochbegabten Ingenieur Adolphe Kégresse wohl nicht möglich
gewesen.

Jener Adolphe Kégresse wurde 1879 in Héricourt / Haute Saône (Frankreich) geboren.
1904, nach Abschluß seiner Ingenieurausbildung, verließ er seine französische Heimat,
um ins russische St. Petersburg zu ziehen. Hier fand er eine Anstellung in einer
Maschinenfabrik. Nebenbei arbeitete Kégresse als Fahrer am Hofe des russischen Zaren
Nikolaus II. Am kaiserlichen Hof erkannte man rasch seine technischen Qualitäten. 
Nachdem er die Anstellung in der Maschinenfabrik aufgegeben hatte, wurde er 1906 als
Leiter und Chef-Mechaniker der kaiserlichen Garage angestellt. Der umfangreiche
Fuhrpark des Zaren bescherte reichlich Arbeit. Im Laufe der Zeit stellte Kégresse fest,
dass die Fahrzeuge des Zaren zu bestimmten Jahreszeiten nicht genutzt werden
konnten, weil Straßen und Wege vom Regen aufgeweicht waren oder durch Schnee und
Eis unpassierbar waren. Zwar war es möglich, die Fahrzeuge mittels sogenannter
Sandbleche wieder flott zu bekommen, was jedoch ein sehr mühsames Unterfangen war.
1909 unternahm Kégresse erste Versuche mit Raupenfahrwerken.
Er experimentierte mit diversen Konstruktionen und Materialien,
bis er schließlich ein geeignetes Laufband aus Kamelleder für
seinen Verwendungszweck entwickelte.

Um ein Versinken der Vorderachse im Schnee zu verhindern,
wurden die vorderen Räder mit Skier ausgerüstet.
Das Raupenfahrwerk an der Hinterachse sorgte für überraschend
gute Fahrleistungen im Schnee und auf Matsch. Wenig
zufriedenstellend war dagegen die Haltbarkeit des ledernen
Laufbandes...
Erster Kegresse-Prototyp
1. Prototyp mit
Kégresse-Raupenantrieb, ca. 1910
Adolphe   K É G R E S S E    bis ca. 1905:  Adolphe   K E G R E I S S
* 20. Juni 1879    + 9. Februar 1943

Mercedes-Kegresse 26/45 von 1912
Mercedes 26/45 PS mit Kégresse-Raupenantrieb, 1912
1912 konnte Kégresse erstmals ein funktionstüchtiges
Fahrzeug auf Basis eines Mercedes 26/45 PS vorstellen,
welches anstelle der hinteren Räder ein Raupenfahrwerk
hatte. Im Gegensatz zum ersten Prototyp von 1910
bestand das Laufband nicht mehr aus Leder, sondern
aus haltbarerem Gummi.
Die Vorderräder waren wieder mit Skier ausgerüstet.

Das Fahrzeug hatte überragende Fahreigenschaften,
nicht nur auf Schnee und Eis, sondern auch auf
schlammigem Untergrund.

1912 nahm Adolphe Kégresse mit dem Fahrzeug am
Wettrennen St. Petersburg - Kronstadt - St. Petersburg
teil, welches über die zugefrorene Ostsee führte. Kégresse erreichte immerhin den fünften Platz und stellte
gleichzeitig mit einer Geschwindigkeit von mehr als 60 km/h die Geschwindigkeitsrekorde auf Eis über 1 km und
3 km für Fahrzeuge mit Raupenantrieb ein.
Kégresse war sich der Tragweite seiner Entwicklung bewusst, weswegen er die Raupenbänder aus
Hartgummiglieder im Februar 1913 in Russland und Frankreich patentieren liess.
In den folgenden Jahren wurden mehrere Fahrzeuge diverser Hersteller (z.B. Russo-Balt, Renault und Rolls-
Royce) mit dem Kégresse-Antrieb ausgerüstet. Dank der relativ einfachen Konstruktion war es problemlos
möglich, bestehende Fahrzeuge mit diesem System nachzurüsten.
Selbstverständlich wurde auch das Militär auf diese interessanten Fahrzeuge aufmerksam. Schon sehr früh
entstanden die ersten Panzerwagen mit Kégresse-Antrieb. 1916 erteilte die
Firma Putilov einen Großauftrag zur Fertigung von 200 gepanzerten Fahrzeugen
mit Kégresse-Raupenantrieb.
1917 änderte sich die politische Lage in Russland dramatisch. Zar
Nikolaus II. wurde im Sommer entmachtet. Für Kégresse bedeutete
dieses das Ende seiner beruflichen Laufbahn in Russland. Er verließ
zusammen mit seiner Frau Hélène Moniakoff und den drei Kindern
Russland mit Zwischenstation in Finnland, um 1919 letztendlich wieder
in sein Heimatland, nach Frankreich, zurückzukehren.
Kégresse hat einen hohen Preis hierfür gezahlt. Er verlor alles was er
besaß, mit Ausnahme seiner Patente.
Panzerwagen Austin-Putilov, ca. 1916
In Frankreich angekommen, begab sich Adolphe Kégresse auf die Suche nach neuen Partnern für seinen
Raupenantrieb. Dank der Patente und der vergebenen Lizenzen war er finanziell einigermaßen abgesichert.
1919 kam es zur Zusammenarbeit mit Jacques Hinstin, dem Geschäftspartner André Citroëns aus den Zeiten
der Granatenproduktion. Fortan liefen die Entwicklungen und Patentierungen des Raupenantriebes unter dem
Namen Kégresse-Hinstin.
1920 lernte André Citroën den Ingenieur Adolphe Kégresse kennen. Nachdem André Citroën sich das
Raupenketten-Prinzip von Adolphe Kégresse hatte präsentieren lassen, war dieser so begeistert, dass er
sofort den Auftrag gab, einige Citroën-Fahrzeuge entsprechend den Vorgaben Kégresses ausrüsten zu lassen.
Nur wenige Wochen später waren drei Citroën-Raupen auf Basis von 10HP B2-Fahrzeugen fertig gestellt.
André Citroën wohnte den ersten Demonstrationsfahrten in der Nähe von Saint-Denis persönlich bei und war
sofort von diesem Antrieb überzeugt. Die Einsatzmöglichkeiten waren sehr vielfältig. Er erkannte rasch das
große Potential dieser Halbkettenfahrzeuge, sowohl im zivilen Bereich, wie auch im militärischen Bereich.
Citroën erwarb kurzerhand die Rechte an Kégresses Patenten und
gliederte die Produktion der Raupen-Fahrzeuge unter dem Namen
Autochenilles Citroën-Kégresse-Hinstin in sein Automobilwerk ein.
Jacques Hinstin wurde zum Direktor dieser neuen Abteilung ernannt,
Adolphe Kégresse übernahm den Part des technischen Direktors.

Für Citroën bedeutete der Erwerb der Patentrechte den Zugang zur
Rüstungsindustrie. Neben der Produktion von zivilen Fahrzeugen
wurden von Anfang an Fahrzeuge für den militärischen Einsatz
konzipiert, sowohl gepanzert, als auch ungepanzert.

Den überzeugenden Beweis für die Haltbarkeit der Fahrzeuge
lieferten die Durchquerung der Sahara (was vorher keinem anderen
Automobil gelungen ist) und die Croisière Noire zur Errichtung einer
Überlandverbindung mit den französischen Kolonialgebieten in Afrika.

Ein ausführlicher Zeitungsartikel in einer angesehenen französischen
Ingenieurzeitschrift über die Technik der Fahrzeuge verschaffte
Citroën den endgültigen Zugang zur Gruppe der Lieferanten für
militärische Fahrzeuge.
Erste Versuchsfahrten mit einer
Citroën-Kégresse-Raupe (1920)